Hunde mit Schnee mit Kamera fotografiert

Hund, Kamera – und Action

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Warum Hundefotografin Nadine Gerlach oft im Gras liegt und bei professionellen Fotoshootings bis zu 800 Bilder schießt? Hier sind die Antworten – und die besten Tipps, wie tolle Bilder von Hunden gelingen.

KARTENMACHEREI : Tiere vor der Linse – was ist die größte Herausforderung?

NADINE GERLACH: „Guck mal so, mach mal das.“ Genaue Anweisungen geben – das geht bei Tieren nicht. Sie sind schlicht unberechenbar. Fotografisch gesehen ist die Tierfotografie sicher eine der größten Herausforderungen. Das fasziniert mich an meinem Beruf am meisten.

KARTENMACHEREI : Wie meistern Sie das?

NADINE GERLACH: Bei einem Shooting entstehen 600 bis 800 Fotos. Wenn Halter und Hund schon wieder zu Hause zur Ruhe gekommen sind, beginnt für mich die Hauptarbeit, die viele unterschätzen: die Nachbearbeitung. Pro Bild dauert das mindestens 20 Minuten. Aufwändiger wird es, wenn zum Beispiel eine unscharfe Pfote auf einem ansonsten perfekten Hundefoto durch eine scharfe Pfote auf einem anderen Bild ersetzt werden muss. Da die Kunden nur das Endergebnis sehen können, fällt es Ihnen schwer, den wirklichen Arbeitsaufwand einzuschätzen.

KARTENMACHEREI: Was war das lustigste, das Ihnen während eines solchen Shootings passiert ist?

NADINE GERLACH: Einmal fotografierte ich zwei Golden-Retriever-Rüden. Während ich einen in Szene setzte, hob der andere hinter mir sein Bein. Die Besitzerin wäre am liebsten im Erdboden verschwunden. In dem Moment fand ich die Situation, glaube ich, auch weniger lustig, als nun im Nachhinein.

KARTENMACHEREI: Haben Sie für solche Fälle Wechselklamotten dabei?

NADINE GERLACH: Nein. Um mit dem Tier auf Augenhöhe zu gehen, knie oder liege ich oft im Gras. Um die Hunde an mich zu gewöhnen, tobe ich mit ihnen herum. Da bleiben die Kleider selten sauber. Nun, glücklicherweise gibt es ja gute Waschmaschinen.

„Hunde sind mein Leben.“

KARTENMACHEREI: Sie sind auf Hundefotografie spezialisiert. Wie sieht für Sie das schönste Hundefoto aus?

NADINE GERLACH: Für mich ist das schönste Foto, wenn es den Charakter des Hundes widerspiegelt. Ein Hund, der vom Wasser aus auf mich zuläuft, überall Wasserspritzer – das ist Lebensfreude pur. Oder ein Jagdhund, den ich bei der Arbeit begleite, und dessen Glanz in den Augen ich auf meinen Bilder festhalten kann. Das macht mich glücklich und zufrieden.

KARTENMACHEREI: Wie finden Sie den Charakter des Tieres heraus? Sie kennen die Hunde vorher ja meistens nicht.

NADINE GERLACH: Ich spreche vorher mit meinen Kunden über ihr Tier. Vieles ist rassebedingt – und vieles Erfahrung. Hunde sind mein Leben. Ich bilde unter anderem selbst Jagdhunde aus. Ich hatte noch nie Probleme, Zugang zu meinen Hundemodels zu finden. Selbst sonst sehr zurückhaltende Tiere akzeptieren mich sehr schnell in ihrer Nähe.

KARTENMACHEREI: Portrait oder Actionbild?

NADINE GERLACH: Das kommt auf den Hund an. Die ersten 20 Minuten des Shooting-Termins sind dazu da, den Hund kennenzulernen und herauszufinden, was zu diesem Tier am besten passt. Für einen 15-jährigen Hund ist eine Portraitaufnahme mit schöner Mauer oder Wasser im Hintergrund zum Beispiel oft besser als ein Actionshooting. Einen Welpen von wenigen Wochen für ein Portrait ruhig und gleichzeitig aufmerksam zu bekommen, ist manchmal nicht möglich. So einen Hund lässt man einfach toben. Actionbilder sind hier doch toll.

„Portraits gelingen auch mit einer kleinen Digitalkamera.“

KARTENMACHEREI: Wie gelingen auch Hobbyfotografen gute Aufnahmen?

NADINE GERLACH: Das A und O ist, auf Augenhöhe mit dem Hund zu gehen. Bei Mops oder Dackel muss ich mich da auf die Wiese legen. Da reicht die Hocke, wie bei einem großen Hund, nicht. Außerdem wirkt diese Pose für den Hund weniger bedrohlich. Und: Nie von oben fotografieren. Das verzerrt die Perspektive und sieht nicht gut aus. Portraits gelingen dabei auch mit einer kleinen Digitalkamera oder sogar mit dem Handy. Aber Bewegung und Action geht nur mit einer schnellen DSLR-Kamera. Diese muss in der Lage sein, den Fokus schnell nachzuziehen, sonst wird es nichts mit scharfen Bewegungsbildern. Ab Januar 2014 biete ich für Anfänger auch Workshops an, dort kann man natürlich noch viel mehr Tipps und Tricks weitergeben. Mehr Infos gibt’s unter www.hundefotografie.de.

KARTENMACHEREI: Wie viel Zeit sollte ich für ein professionelles Fotoshooting einplanen?

NADINE GERLACH: Für die Hunde ist ein Fotoshooting Stress. Sie müssen gehorchen, trotz Pausen durchhalten. 45 Minuten, maximal ein bis zwei Stunden. Dann kann sich ein Hund meistens nicht mehr konzentrieren und macht nicht mehr richtig mit. Beim eigenen Hund empfiehlt es sich, lieber häufiger mal kurz die Kamera einzusetzen als einmal zu lange, denn dann sind die Hunde schnell überfordert und verlieren den Spaß.

KARTENMACHEREI: Was sind unverzichtbare Voraussetzungen für ein Fotoshooting mit Hunden?

NADINE GERLACH: Die Kunden sollten Wasser, Leckerlis und Spielzeug mitbringen. Die Hunde sollten sich vor einem Shooting nicht den Bauch vollschlagen. Ein hungriger Hund macht erfahrungsgemäß besser mit. Dazu ein Handtuch, wenn es bei kalten Temperaturen ins Wasser geht. Der Hund muss gesund sein und auf keinen Fall aggressiv und haftpflichtversichert. Persönlich kümmere ich mich um das Fotoequipment. Für den Hund sollte es so stressfrei wie möglich sein: Deswegen sollte man nicht noch fünf Freunde mitbringen. Das ist für das Tier ungewohnt. Angenehm ist, wenn man zu zweit kommt, mit jemandem, den der Hund kennt. Je normaler die Situation, desto besser.

KARTENMACHEREI: Wo geht das am stressfreisten?

NADINE GERLACH: Das fragen mich meine Kunden oft. Bei meinen Bildern ist vom Hintergrund wenig zu erkennen. Deswegen ist fast egal, wo. Aber ein Hund in Bewegung braucht Platz: auf dem Feld, am Waldrand, im Park, am oder im Wasser. Der heimische Garten ist aufgrund der fehlenden Weite meist ungeeignet.

„Je normaler die Situation, desto besser.“

KARTENMACHEREI: Was ist für Sie die perfekte Location?

NADINE GERLACH: Am Wasser. Ich geh auch manchmal mit den Hunden ins Wasser – mit Anglerhose. Das ist eine ganz persönliche Vorliebe. Mein eigener Hund Max, ein Kleiner Münsterländer, ist eine Wasserratte, ich war früher als Wettkampfschwimmerin und Taucherin. Vielleicht ist das der Grund?

KARTENMACHEREI: Die Zeit drängt, das Wetter ist schlecht: Mit Tier ins Studio – geht das?

NADINE GERLACH: Ich mache das ungern. Ein Hund gehört in die Natur. Studio bedeutet für die meisten Hunde Stress. Der sonst so natürliche Gesichtsausdruck verändert sich und wirkt angespannt. Im Studio funktionieren außerdem nur Portraitaufnahmen. Der Hund merkt: „Die wollen was von mir.“ Das ist weniger authentisch. Dennoch, kurz vor Weihnachten geht es wetterbedingt oft nicht anders. Die Kunden wünschen sich noch schnell ein Portrait für ihre Weihnachtskarten oder ein nettes Geschenk für ihre Liebsten, dann weiche ich auch ab und zu ins Studio aus.

KARTENMACHEREI: Und welche Motive wünschen sich die Kunden am meisten?

NADINE GERLACH: Die meisten lassen mich machen. Das ist toll. Aber es gibt auch hin und wieder Wünsche: einen Schäferhund, der durch eine Autoheckscheibe springt zum Beispiel. Da wird die zersprungene Scheibe natürlich nachträglich ins Bild gesetzt. Und gerade entwickle ich Welpen-Tagebücher, in denen deren Besitzer notieren können, was ihr Tier wann gelernt hat.

KARTENMACHEREI: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Nadine Gerlach, Jahrgang 1975, machte sich 2007 mit „Gerlach Foto- und Mediendesign“ selbstständig. Damit hat die gebürtige Mönchengladbacherin Ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und sich unter anderem auf Hundefotografie spezialisiert.