Hochzeit-Deutschland-Panama

Hochzeit International: Deutschland – Panama

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Zwischen Botschaft und Justizbehörde blieb für Ana und Steffen wenig Platz für eine wirklich romantische Hochzeitsplanung.

KARTENMACHEREI: Heiraten international – was ist das Erste, um das man sich kümmern sollte?

STEFFEN BEHN: Um das richtige Visum. Ana kommt aus einem außereuropäischen Land. Sie brauchte ein Visum zur Eheschließung mit ausländischem Anteil, wie es in Amtsdeutsch heißt. Und dafür gibt es einige Voraussetzungen, zum Beispiel eine Kopie meines Mietvertrags, um nachzuweisen, dass genügend Wohnraum vorhanden ist, oder eine formlose Einladung zur Eheschließung.

KARTENMACHEREI: Was war das Erste, das ihr gemacht habt?

STEFFEN BEHN: Ich habe die Ausländerbehörde hier in Hamburg angerufen. Das ist naheliegend, dachte ich. Sie ist aber zunächst nicht zuständig, sondern das Standesamt in dem Ort, in dem ich meinen Hauptwohnsitz habe. Also nicht dort, wo man tatsächlich heiraten möchte.

KARTENMACHEREI: Ihr habt am 16. November geheiratet: Wie viel Zeit habt ihr mit der Hochzeitsplanung verbracht?

STEFFEN BEHN: Etwa drei Monate.

KARTENMACHEREI: Klingt kurz.

STEFFEN BEHN: Stimmt. Aber das liegt daran, dass etwa die Befreiung von der Beibringung eines Ehefähigkeitszeugnis, das vor allem nachweisen soll, dass der ausländische Partner ledig ist, nur sechs Monate gültig ist.

KARTENMACHEREI: Die Hochzeitsplanung in zwei Worten:

STEFFEN BEHN: Genauigkeit und Hartnäckigkeit.

KARTENMACHEREI: Wie viele Dokumente musstet ihr besorgen?

STEFFEN BEHN: Ich brauchte zwei, Ana etwa 14. Was man dabei oft vergisst ist, dass diese viel Geld kosten. Für manche Unterlagen werden Gebühren fällig und andere sind nur mit Apostille, einer speziellen Beglaubigung, gültig. Dazu kommen Versand und Übersetzung, was am teuersten ist. Alles in allem kosteten die Dokumente etwa 1500 Euro. Eine romantische Planung ist da unmöglich. Es ist eben zuerst einmal eine sehr formale Hochzeit.

„Es ist eben zuerst einmal eine sehr formale Hochzeit.“

KARTENMACHEREI: Was war der frustrierendste Moment?

STEFFEN BEHN: Am Anfang, nachdem ich die Liste aller geforderten Dokumente vom Standesamt bekommen habe, dachte ich: Das wird nie was. Der eigentliche Tiefpunkt aber kam später: Ana war schon einmal verheiratet und musste nachweisen, dass diese Ehe wieder geschieden wurde. Zur Feststellung der Ehescheidung ist die Justizbehörde hier in Hamburg zuständig. Wir erhielten eine Liste mit diversen dafür nötigen Unterlagen – mit dem Vermerk: Unter Vorbehalt können weitere Dokumente angefordert werden. Genau so kam es. Ich hatte das Gefühl, dort wird einfach Dienst nach Vorschrift gemacht. Dass es um etwas Schönes, eine Hochzeit geht, geriet völlig in den Hintergrund.

KARTENMACHEREI: Hochzeit planen: Was war für euch das größte Problem?

STEFFEN BEHN: Im Internet findet man zum Thema „heiraten im Ausland“ nur wenige umfassende Informationen. Man kann sich deshalb nur über die Ämter informieren, die aber gleichzeitig über die Vorgänge entscheiden.

KARTENMACHEREI: Was war der größte Irrweg?

STEFFEN BEHN: Wir dachten, das Visum von Ana können wir über das Hamburger Standesamt beantragen. Tatsächlich entscheidet die deutsche Botschaft in Panama.

KARTENMACHEREI: Geht es auch einfacher?

STEFFEN BEHN: Es ist gerade angesagt, in Dänemark zu heiraten, da die Hürden dort sehr niedrig sind. Aber im Nachhinein kann es problematisch sein, die Ehe in Deutschland anerkennen zu lassen. Es wäre auch möglich gewesen, dass Ana mit einem Touristenvisum einreist und hier heiratet. Allerdings hätte sie dann nach drei Monaten wieder ausreisen müssen, ein weiteres Visum beantragen müssen und so weiter. Auch steuerlich hätte das Nachteile gehabt.

KARTENMACHEREI: Was war der hilfreichste Tipp?

STEFFEN BEHN: Dinge nicht über drei Ecken organisieren, sondern bei den Verantwortlichen in den Ämtern persönlich vorsprechen.

KARTENMACHEREI: Und was ist der beste Tipp, den ihr geben könnt?

STEFFEN BEHN: Genau das und extrem genau sein. Wir haben zum Beispiel eine Liste mit allen Dokumenten erstellt und unter anderem notiert, ob sie übersetzt werden müssen, wer sie benötigt und wann wir sie beantragt und erhalten haben. Man sollte sich gut vorbereiten und viele Fragen stellen.

„Extrem genau sein, gut vorbereiten und viele Fragen stellen.“

KARTENMACHEREI: Trotz aller Form. Gefeiert wird trotzdem. Ihr habt euch für Panama entschieden. Warum?

STEFFEN BEHN: Panama fand ich immer cool. Außerdem ist es wichtiger, dass Ana alle ihre Freunde an diesem Tag um sich hat. Meine Freunde und Verwandten kommen hin. Das ist für sie einfacher, als für Anas.

KARTENMACHEREI: Wie umgeht ihr Sprachbarrieren an der Hochzeit?

STEFFEN BEHN: Die Zeremonie ist zweisprachig. Wir haben gute Freunde in Panama, die perfekt Spanisch und Deutsch sprechen – und die auch unseren Humor verstehen. Sie übersetzen simultan.

KARTENMACHEREI: Zwei Kulturen und viele verschiedene Traditionen: Welche kombiniert ihr?

STEFFEN BEHN: Es ist keine kirchliche Trauung. Aber es ist ein „judge“ anwesend, der uns traut. Wir heiraten abends am Strand. Tagsüber ist es dort zu heiß. Wir singen Lieder in beiden Sprachen. Anschließend gibt es ganz klassisch ein Fünf-Gänge-Menü. Dann wird es panamaisch: Die Hochzeitsfeier dauert dort traditionell bis zum Sonnenaufgang.

(c) Steffen Behn