Freie Trauung mit Brautstrauß

„Ja, ich will, aber…“ – Die freie Trauung als Alternative zur traditionellen Hochzeit

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Heiraten ja – Kirche nein? Die freie Trauung findet als alternative Hochzeitsform immer mehr Anhänger. Warum das so ist, wie eine freie Trauung ablaufen kann und für wen sie sich eignet, erklärt Ihnen der freie Theologe Ralf Elcheroth im Interview.

Es heiraten immer weniger Menschen, und jene die es wagen, geben sich das Eheversprechen immer seltener in der Kirche. Die Zahlen in Deutschland sind sowohl für die evangelische als auch die katholische Kirche rückläufig. Während in den 80er Jahren im Schnitt 220.000 Ehen neben dem Standesamt auch in der Kirche besiegelt wurden, sind es heute nur noch die Hälfte.

Wer sich gegen die kirchliche Trauung entscheidet, der wird von der standesamtlichen Zeremonie meistens nicht zufriedengestellt. Eher bürokratisch und unspektakulär, kann die standesamtliche Trauung für viele nicht den romantischen und feierlichen Weg zum Altar ersetzen.

Deshalb suchen mittlerweile viele Paare nach Alternativen. Die freie Trauung wird dabei stetig beliebter. In den Hochzeitsforen tauschen sich viele Heiratswillige darüber aus. Der Coup der freien Trauung: Sie können als Paar ganz frei den Rahmen Ihres Ja-Worts gestalten.

Was ist das Konzept der freien Trauung?

Beispiel einer freien Trauung - außerhalb des Standesamtes oder der Kirche.
Das große Plus der freien Trauung: Die Gestaltung der Zeremonie bleibt vollständig Ihnen überlassen.

Wenn Sie sich für eine freie Trauung entscheiden, werden Sie sich als aller erstes Gedanken machen müssen, ob und welcher Redner für Ihre Trauung gewünscht ist.

Denn Sie müssen natürlich keinen freien Theologen oder Hochzeitsredner engagieren, um sich „frei zu trauen“, da diese sowieso ohne Rechtsanspruch bleibt. Allerdings hat das Engagement eines Redners natürlich Vorteile, da dieser zum einen das Paar in den Vorbereitungen unterstützt und darüber hinaus den roten Faden in die Zeremonie darstellt.

Er ist Hochzeitredner: Ralf Elcheroth.
Er ist freier Theologe und bietet neben freien Trauungen, Kindersegnungen auch Trauerreden an. Ralf Elcheroth ist vor allem in Bayern und Ulm tätig.

Ralf Elcheroth ist freier Theologe und bietet die Durchführung von freien Trauungen an. Es ist für ihn wichtig, „dass die Chemie auf beiden Seiten stimmt. Denn die Gespräche sind zum Teil sehr persönlich, da muss einfach Vertrauen da sein.“

Erst darauffolgend fangen die wirklichen Vorbereitungen an. Gemeinsam mit Ralf Elcheroth werden in einem Gespräch, für das genug Zeit eingeplant werden sollte, die Eckpunkte der Zeremonie festgelegt. Zudem wird die Rede besprochen, die der freie Theologe für das Ritual der Eheschließung schreibt. Zwar können Sie als Paar die Richtung mitbestimmen, aber „den Text bekommen sie vorher nicht, das soll schon noch eine Überraschung sein.“

Da es inzwischen ein großes Angebot an diesen Dienstleistern gibt, sollten Sie sich Zeit nehmen, einen seriösen und Ihnen sympathischen Redner zu finden. So unterschiedlich, wie Sie als Persönlichkeit sind, verhält es sich auch mit Traurednern. Während manche einen ernsthaften Charakter pflegen, gibt es inzwischen auch viele junge Sprecher, die eher das Entertainment in den Vordergrund stellen.

Was sind Vor- und Nachteile gegenüber anderen Zeremonien?

Ralf Elcheroth während seiner Arbeits als Trauredner.
Welche Rituale bei der freien Trauung die Zeremonie begleiten liegt ganz bei Ihnen. Nur die Rede wird von Rednern wie Ralf Elcheroth im Geheimen vorbereitet.

Was die freie Trauung gegenüber der kirchlichen Variante so attraktiv macht, ist die Freiheit, seine eigene, ganz individuelle Zeremonie zu planen. Während bei der katholischen oder evangelischen Trauung bestimmte traditionelle Abläufe festgelegt sind und immer auf einem religiösen Glauben basieren, ist dies bei einer freien Trauung nicht der Fall. Hier können nach Lust und Laune, eigene Ideen in die Zeremonie eingebunden werden.

Das heißt aber nicht, dass traditionelle Rituale nicht erlaubt wären:

„Viele Rituale aus den kirchlichen Trauungen haben eine starke symbolische Bedeutung und können auch in der freien Trauung wundervoll eingesetzt werden. Ich hatte schon muslimische, orthodoxe und katholische Riten“, erklärt der Hochzeitsredner.

Auf den klassischen Ringtausch möchte niemand gerne verzichten.
Der Ringtausch ist und bleibt eines der beliebtesten Rituale – auch bei einer freien Trauung.

Möglicherweise klingt für Sie das Konzept der freien Trauung nach mehr Arbeit als eine klassische Trauung in der Kirche. Ralf Elcheroth glaubt aber, dass der zeitliche Aufwand kein echtes Kriterium gegen die Entscheidung der freien Trauung ist. Paare entscheiden sich für die freie Trauung, weil es ihnen den höchsten Grad an Individualität gibt oder aufgrund der Religionsfrage.

Außerdem sollte Ihnen normalerweise Ihr Hochzeitsredner bei der Zeremonie-Planung helfen. Diese können aus ihrer Erfahrung Tipps und Tricks verraten und Sie inspirieren. Auch sollten Sie Freunde und Familie mit einbinden, damit Sie selbst entlastet sind. Denn neben der Zeremonie gibt es selbstverständlich noch andere Hochzeitsvorbereitungen.

Welchen Spielraum habe ich bei der Gestaltung? Wenn Sie Lust haben, können Sie kreativ werden und statt dem klassischen Ringtausch zu anderen Accessoires greifen. Was vermutlich die meisten Paare reizt, ist die Möglichkeit, (fast) überall die Zeremonie stattfinden zu lassen.

Da heiraten, wo andere Urlaub machen.
Vielleicht einfach die Urlaubsoase zur Hochzeitslocation machen? Bei der freien Trauung ist alles möglich.

Natürlich sollten Sie mit Ihrem Hochzeitsredner darüber vorab sprechen, wenn es auf 4000 Meter Höhe geht, aber vorerst gilt: Jede Location Ihrer Träume ist möglich. Ralf Elcheroth hat schon über 200 Zeremonien miterlebt, bei denen die eine oder andere Idee aus dem typischen Hochzeitsrahmen rausgefallen ist.

„Erfahrungsgemäß sind die Brautpaare allerdings sehr zurückhaltend, was verrückte Vorschläge betrifft. Meistens muss ich diese erst anregen. Ich motiviere also eher, als zu bremsen“, ergänzt der freie Theologe.

Auf der anderen Seite sind freie Theologen wie Ralf Elcheroth natürlich keine Weddingplaner, die Ihnen die Hochzeit organisieren. Wünschen Sie sich also eine spezielle, schwer erreichbare Location, dann liegt dies in Ihren Händen. Das Gleiche gilt für Gegenstände, die bei der Trauung selbst benötigt werden, denn der Hochzeitsredner ist auf seine Rolle als Zeremonienleiter festgelegt. Sie können sich jedoch – falls Sie eine Idee haben, aber dieser noch skeptisch gegenüberstehen – mit Ihrem Hochzeitsredner besprechen.

Im Norwegerpulli, draußen - ihre freie Trauung könnte genau so aussehen.
Sie haben keine Lust auf den typischen Hochzeitsschnickschnack? Bei der freien Trauung steht Ihnen Stil und Ortswahl frei.

„Jede noch so abwegige Idee schaue ich mir an. Denn ich sehe meine Aufgabe darin, die Trauung so zu gestalten, dass sie perfekt zu dem Brautpaar passt. Ich finde also eine Lösung, zu egal welchem Vorschlag. Wenn ein Paar sein Versprechen mit einem Schnaps besiegelt oder am Ende der Zeremonie mal ein Bierfass angeschlagen wird, ist mir nur wichtig, dass es zu dem Paar passt“, stellt Elcheroth klar.

Fazit: Freie Trauung – für wen ist das richtig?

Das Strahlen sagt alles: Jetzt sind Mann und Frau - wenn auch nicht rechtlich.
Wie in jeder Zeremonie: Das Ja-Wort ist das emotionale Highlight des Events.

Dem einen reicht das Standesamt, der andere möchte in der Kirchengemeinde seiner Kindheit getraut werden. Es kommt darauf an, was Sie sich als Paar wünschen. Wenn Sie beide Lust auf eine festliche Zeremonie haben, bei der Sie als Paar im Mittelpunkt stehen und Ihre Liebe zelebriert wird, dann ist die freie Trauung den Organisationsaufwand sicherlich wert.

Für Ralf Elcheroth ist aber klar, dass die freie Trauung nichts für Paare ist, die in einer festen Glaubensgemeinschaft sind und auf diese Traditionen viel Wert legen. Aber gerade deshalb kann er allen,die nicht in der Kirche heiraten wollen oder denen das Standesamt doch etwas zu wenig ist, eine freie Trauung nur ans Herz legen.“

Ist die freie Trauung also nur die Alternative für heiratswillige, aber unreligiöse Paare? Elcheroth hat auch schon Fälle erlebt, bei denen die „Paare, ihr Versprechen als wichtiger ansehen als die Unterschriften auf dem Standesamt. Für sie ist das Versprechen verbindlicher.“

Nicht nur das, er habe sogar schon hin und wieder erlebt, „dass eine freie Trauung eine Ergänzung der Kirche ist. In diesem Jahr zelebrierte ich eine Trauung in Augsburg; einige Wochen später war in Brasilien die kirchliche Trauung. Damit wurde man den Gästen aus beiden Ländern gerecht.“

Wenn Ihnen also das standesamtliche Ja-Wort zu unemotional ist und/oder Sie eine Alternative zur Heirat außerhalb der Kirche suchen, dann haben Sie mit der freien Trauung eine tolle Option, um dem gegenseitigen Liebesbekenntnis einen festlichen Rahmen zu geben, gemeinsam mit Familie und Freunden.

Sie werden mit einem freien Theologen oder professionellen Hochzeitsredner einen Experten zur Seite stehen haben, der Ihre Persönlichkeit als Brautpaar gekonnt in Szene setzt. Außerdem können Sie ganz frei entscheiden, welche Art von Segnungen oder Rituale Sie in Ihrer Trauung einbauen möchten. Am Ende, nach einer langen und zeitintensiven Planung, wird Ihnen auf jeden Fall als Erinnerung Ihr einzigartiges, persönliches Ja-Wort bleiben.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Ralf Elcheroth für das Interview!

Bilder: Bild 1: © iStock.com/ CREATISTA; Bild 2-4: © Ralf Elcheroth; Bild 5: © iStock.com/Hreni ; Bild 6 © iStock.com/i_talay ; Bild 7©i.Stock.com/lyosha_nazarenko; Bild 8: © Ralf Elcheroth