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Hochzeitsfotos aus dem Helikopter

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Hochzeitsfotograf Frank Hedrich hat uns im Interview erklärt, wie aus den schönsten Momenten der Hochzeitsfeier wirklich großartige Fotos werden, was ihn irritiert und warum er immer einen Piccolo dabei hat.

KARTENMACHEREI : Bild- und Motiv-Vorlagen von Brautpaaren – Fluch oder Segen?

FRANK HEDRICH: Ich sehe mir diese natürlich an und gehe auf das Brautpaar ein. Schwäne im Hintergrund oder ein Brautpaar, das hinter einem Baum hervorschaut – das ist nicht meins. Schwierig wird es auch, wenn mir das Paar Fotos von einer Hochzeit im Schloss zeigt und in einer ganz anderen Location heiratet, dann muss man natürlich sehr kreativ sein. Aber wenn die Location gut ist, geht das: Einmal hat mir ein Paar Bilder gezeigt, die aus einem Helikopter gemacht wurden. Der wurde dann gemietet und wir haben Bilder auf 4000 Meter Höhe gemacht.

KARTENMACHEREI : Wer liefert Vorlagen oder Bildideen für das Brautpaar-Shooting?

FRANK HEDRICH: Viele Brautpaare haben aber keine Fotos dabei und verlassen sich auf meine Erfahrung. Da versuche ich dann, sie beim Shooting aus der Reserve zu locken. Am besten ist es, wenn sich das Paar mit sich beschäftigt – und es nicht übertreibt. Ich versuche immer so zu fotografieren, dass es nicht so aussieht, als würden die beiden fotografiert. Sobald sie in die Kamera schauen, sieht es oft sofort gestellt aus.

KARTENMACHEREI: „Ich bin nicht fotogen und es gibt einfach keine guten Bilder von mir.“ Der Satz von den Brautleuten ist im Fall einer Hochzeit nicht gerade günstig. Wie gehen Sie mit diesem Dilemma um?

FRANK HEDRICH: Da sag ich: „Ja, haben sie recht.“ Ich finde mich selber auf Fotos auch immer blöd. Man muss halt versuchen, das Beste rauszuholen. Es gibt keine hässlichen Menschen. Wenn ich merke, dass sich eine Braut unwohl fühlt, während sie fotografiert wird, mache ich mehr Paarbilder, weniger Porträts. Außerdem sehe ich mir die Braut in der Kirche an und weiß, wann sie gut aussieht und wann nicht. So setze ich dann auch die Bilder um.

KARTENMACHEREI: Damit die Kommunikation zwischen Fotograf und Fotografierten am Tag der Hochzeit stimmt: Wie lernen sich Brautpaar und Fotograf am besten kennen?

FRANK HEDRICH: Ich versuche, sie vorher zu treffen und kennenzulernen. Am Tag selbst sind alle Brautpaare gut gelaunt. Das erleichtert natürlich meine Arbeit. Und ich bin ein lockerer Typ, behaupte ich. Und wenn die Braut beim Fotografieren gar nicht locker ist, bekommt sie von mir einen Piccolo.

KARTENMACHEREI: Ist es eine gute Idee, einen befreundeten Hobby-Fotografen als Hochzeitsfotograf zu engagieren?

FRANK HEDRICH: Ja, wenn er Profi ist. Profis erkennt man übrigens daran, dass sie teuer sind. Ein befreundeter Hobbyfotograf? Kann man machen. Wenn man damit leben kann, dass es eventuell misslingt. Gerade der Einzug im Dunkeln der Kirche mit Gegenlicht ist nicht so einfach. Das sollte man vorher üben oder wenigstens dafür einen Profi engagieren.

KARTENMACHEREI: Jeder Gast zückt sein Smartphone und blitzt in die Szene. Wann ist das besonders störend oder zerstört sogar professionelle Aufnahmen? Wie kann dem das Brautpaar vorbeugen?

FRANK HEDRICH: Dies ist sicherlich störend, besonders in der Kirche, wenn sie mit ihren Smartphones im Bild hängen. Manche Paare sagen vorab was dazu, aber auf 90 Prozent der Hochzeiten, auf denen ich fotografiere, gibt es sie. Ich bitte diese Hobbyfotografen dann zu gehen. Schließlich wollen die Brautleute Profi-Bilder und haben ja auch dafür bezahlt. Wenn Gäste da sind, stören sie eigentlich immer. Deswegen sollten vor allem beim Paarshooting keine Gäste dabei sein. Die Braut redet dann, das sieht nicht gut aus.

KARTENMACHEREI: Wer ist wer? Wie und wann sollten die wichtigsten Personen bei der Hochzeit dem Fotografen vorgestellt werden?

FRANK HEDRICH: Die Trauzeugen oder Schatzmeister machen eine Liste und ich nehm mir die beiden an die Seite. Diese sorgen sich dann darum, die Gäste zusammenzurufen. Das klappt immer.

Frank Hedrich  //  Fotografien: (c) AH PHOTO – Albertoni & Hedrich GmbH

KARTENMACHEREI: Brauchen Sie während der Feier einen festen Ansprechpartner neben dem Brautpaar für organisatorische oder Detailfragen?

FRANK HEDRICH: Ich frage immer nach Trauzeugen und deren Handynummer. Die Braut lass ich an diesem Tag in Ruhe. Sie muss sich um die Gäste kümmern.

KARTENMACHEREI: Brauchen Sie feste Foto-Termine im Tagesablauf?

FRANK HEDRICH: Ich sag immer, so kurz wie möglich. Wäre ich zwei oder drei Stunden mit dem Brautpaar weg, wären die Gäste nicht sehr erfreut. Ich fotografiere meistens zwei Mal eine halbe Stunde: nach der Trauung und in der Abenddämmerung. Am liebsten ist mir aber vor der Trauung, wenn noch keine Gäste da sind.

KARTENMACHEREI: Was spricht für Brautpaarfotos während der Hochzeitsfeier versus davor oder danach?

FRANK HEDRICH: Meistens ist es besser davor, weil die Braut noch gut geschminkt ist und sie noch nicht geweint hat. Da muss ich auch weniger mit Photoshop nachbearbeiten. Meistens macht man das Brautpaar-Shooting vor der Hochzeit. Die wenigsten Brautpaare sind noch so „traditionell“ und wollen sich das erste Mal vor dem Altar sehen. Die Hochzeitsfotos sind dem Brautpaar genauso wichtig wie den Tag mit ihren Gästen zu verbringen.

KARTENMACHEREI: Ist es üblich, dass der Hochzeitsfotograf beim Menü bedacht wird?

FRANK HEDRICH: Ist der Fotograf 9 Stunden dabei, sollten die Brautleute dafür sorgen. Ich muss aber nicht am Brauttisch sitzen. Wenn es ein Menü gibt, sitze ich oft mit der Band oder dem DJ an einem kleinen Tisch. Aber der Fotograf sollte sich schon in der Nähe aufhalten, damit er auch alles im Bilde hat, wenn der Brautvater seine Rede hält und das festhalten kann. Und es reicht eine Kleinigkeit. Ok, vielleicht nicht unbedingt nur Zwieback. Sehr schlau ist es, wenn ich dann esse, wenn alle essen. Weil Gäste mit vollen Mund fotografieren wir nicht, sieht auch nicht gut aus.

KARTENMACHEREI: Welche entscheidenden Momente der Trauung und der Feier vergehen aus Fotografensicht viel zu schnell?

FRANK HEDRICH: Einzug, Ringübergabe, Kuss in der Kirche. Das Schlimmste ist der Einzug mit Papa. Das dauert oft nur ein paar Sekunden. Genauso, wenn Papa und Mama im Standesamt gratulieren oder der Schwiegerpapa dem Ehemann etwas mitgibt. Diese Momente kommen nur einmal. Das ist tödlich, wenn man die nicht fotografiert hat.

KARTENMACHEREI: Gibt es No-Gos im Umgang mit dem Hochzeitsfotografen?

FRANK HEDRICH: Gäste, die meine Kamera mitnehmen und ein paar Fotos machen, Betrunkene oder Frauen die einem hinterherlaufen. Da hab ich keine Zeit zu.

KARTENMACHEREI: Was war das ausgefallenste, ungewöhnlichste Bild, das Sie je auf einer Hochzeit gemacht haben?

FRANK HEDRICH: Die Brautmutter, die beim Apero in den See gefallen ist.

KARTENMACHEREI: Herzlichen Dank für das launige und informative Gespräch.

Frank Hedrich fotografiert seit fast 30 Jahren auf Hochzeiten vor allem in der Schweiz. Was ihm bei seiner Arbeit wichtig ist? „Hochzeitsfotos müssen nicht in diesen verstaubten Motiven aufgebaut sein, die so künstlich versuchen, das Glück zu konservieren“, schreibt er auf seiner Website www.wedding-fotografen.ch.